zu freunden kann man nicht „lass uns freunde bleiben“ sagen

manchmal denke ich, dass trennungen von engen freunden fast noch schlimmer sind als die vom lebenspartner; gerade die trennungen, die oft so still und kaum sichtbar vonstatten gehen.

wird man von freund oder freundin verlassen, kann man heulen, toben, schreien, die ganze palette.

weil für beide (meistens zumindest) klar ist, dass man einander einen einigermaßen vernünftigen abschluss schuldig ist. weil das verhältnis zueinander, die gefühle füreinander während der gemeinsamen zeit immer und immer wieder definiert wurden, durch liebeserklärungen, gesten, rituale, aber auch auseinandersetzungen und diskussionen.

in einer freundschaft dagegen ist das alles doch viel schwammiger. man spricht vielleicht voneinander als „beste freunde“, kennt einander recht gut und weiß im groben, was man voneinander erwartet und selbst zu geben bereit ist.. – aber wie oft man spricht man zb so über seine gefühle füreinander, wie man es in einer liebesbeziehung tut?

und das, obwohl man, wenn auch andere, so doch auch sehr intensive gefühle für den anderen auch in einer freundschaft entwickeln kann. nur, was tut man dann damit, wenn sich plötzlich alles ändert? wenn ein streit scheinbar alles zunichte macht, oder man sich auf einmal meilenweit entfernt voneinander wiederfindet? oder wenn der andere aus heiterem himmel sozusagen verschwindet und unerreichbar wird?

kann man dann, so wie man es wohl beim partner täte, x-mal anrufen, um den anderen zu erreichen? kann man, in einer diskussion, in tränen ausbrechen, laut werden, wüten, flehen? kann man immer wieder neue gespräche fordern? kann man vor der türe des anderen stehen, wenn er nicht ans telefon geht?

nein. hier meldet sich zum einen der stolz, der sonst manchmal nicht aufzufinden ist, zum anderen der zweifel: „hab ich überhaupt das recht dazu? wieviel ist mir mein/e best/e freund/in schuldig?“

und genau deshalb kann man manchmal nicht mit ehemaligen freunden abschließen, wird noch jahre später traurig oder wütend, wenn die erinnerung daran geweckt wird. weil vieles offen geblieben ist, weil man einiges runterschlucken musste, das dann von innen an einem nagt, weil man vertrauen geschenkt hat, das tief verletzt wurde.

die lösung für all das? tja, ich habe keine ahnung. oder doch: wenn noch alles gut läuft, gerade dann reden und so verhindern, dass es zu solch einem ende kommt.

und wenn es schon zu spät ist.. nun, wenn ich es nicht abschließen kann, dann schließe ich es weg. in einer der zahlreichen kammern in meinem.. sagen wir, unterbewusstsein. ich lege es dort hinein, versiegle und verriegle die kammer, und verlasse den keller wieder. so mache ich es seit jahren, und das relativ erfolgreich.

wie jede.. endlagerung birgt auch das wahrscheinlich gewisse risiken. über eventuelle langzeitschäden kann ich (noch) nichts sagen; ich bin ja erst 25.

allerdings ist es mir jegliches risiko wert.

[natürlich ist das nicht als die lösung anzusehen, aber ich schreibe schließlich einen blog und keinen lebensratgeber.]

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6 responses to “zu freunden kann man nicht „lass uns freunde bleiben“ sagen

  • Twitter Trackbacks for zu freunden kann man nicht „lass uns freunde bleiben“ sagen « life in borderland [semisuicidal.wordpress.com] on Topsy.com

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  • emju

    Freundschaften verlieren sich mit der Zeit. Man geht verschiedene Wege, das Leben dividiert einen quasi auseinander. Und wenn der Zeitpunkt dann gekommen ist, muss man es eben hinnehmen. Das ist man den Freunden schuldig – auch sie ziehen zu lassen.
    Es werden neue kommen.

    Lg
    emju

    • semisuicidal

      dank dir für deinen kommentar!
      dass man sich auseinanderleben kann, dass es eben vorbei sein kann, dass auch irgendwann neue kommen – das steht für mich alles ausser frage. mir geht es eher um das wie, um dieses wortlose verschwinden, stehenlassen ohne angabe von gründen, ohne antworten (was wohl auch eher eine ausnahmeerscheinung ist). das darf, meiner meinung nach, nicht sein.
      ich stimme dir zu, man muss menschen gehen lassen können – aber man darf sich auch nicht einfach klammheimlich aus der verantwortung, die man mit eingehen einer beziehung egal welcher art übernimmt, stehlen.

  • Ti_Leo

    Fernbeziehungen haben auch Vorteile. ;)

  • schlussSTRICH, nicht -kreis « life in borderland

    […] können. was, wenn dieses das eine mal zu viel ist? das beste wird sein, es wegzuschließen (wie in „freunde bleiben..“ schon […]

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