ein experiment

meine follower sind die besten!

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okay, ich sehe, das braucht etwas mehr an erklärung. follower, das sind die, die meinem geschreibe bei twitter so folgen. und eben die hab ich um hilfe gebeten, weil meine kreativität am absoluten tiefpunkt war (unschwer zu erkennen an den unzähligen artikeln in diesem blog – die ich nicht geschrieben habe). der aufruf lautete (sinngemäß): „gebt mir 5 wörter, und ich versuche, daraus einen text zu machen“. dank @BinaSchnecki, @impactsuspect, @isdjan, @frolleinengel und @thistell (nochmal: ♥lichsten dank!) hatte ich besagte 5 wörter schnell zusammen, die da wären (in reihenfolge ihrer „urheber“): schmetterling, pickelhaube, tannenzapfen magenschleimhautentzündung und wandschirm.

zweck der übung war, meine schreiberischen lebensgeister wieder aufzuwecken, und das ist definitiv gelungen. ob nun gut oder schlecht – das zu entscheiden überlasse ich euch ;).

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hier also der text:

(ach, nee, eine vorbemerkung muss noch sein: für einen titel hat es dann doch nicht mehr gereicht. vorschläge? :))

jetzt aber wirklich:

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ich liege jetzt seit vier tagen im bett, magenschleimhautentzündung. früher hast du mir immer den bauch getreichelt, wenn er wehtat, solang, bis ich eingeschlafen bin. aber du bist nicht mehr da, eine wärmflasche tuts fast genauso gut. und überhaupt, ich bin ja schon groß, nicht wahr?

mir ist langweilig, fürs lesen fehlt die konzentration, und im fernsehen läuft nur schrott. an der fabrik gegenüber habe ich mich längst übersehen, sonst gibt es nicht viel zu sehen. hättest du gedacht, dass ich mal so wohnen würde? mitten in der stadt, ohne grün, ohne vögel, dafür aus jedem fenster blick auf wände…wir sind viel spazieren gegangen damals, im wald, über die felder – vom dorf aus war man schnell „draussen“. und du wusstest alles. hast mir den namen jedes vogels, jedes schmetterlings beigebracht, mich tannen- und fichtenzapfen unterscheiden gelehrt – konntest jede frage beantworten. heute habe ich dafür das internet.

mein blick wandert durch das zimmer und bleibt an omas wandschirm hängen. er stand früher in eurem schlafzimmer, du hattest ihn ihr mal von einer reise mitgebracht. als ich noch klein war, habe ich furchtbar gern damit gespielt, mich dahinter versteckt und all sowas. du hast mir gezeigt, wie man damit schattenspiele macht, und im schein der lampe habe ich für dich und oma abende lang schattentheater aufgeführt. mal war ich eine elegante dame, trug omas stöckelschuhe, ein kleid und einen ihrer hüte (und ihren lippenstift, auch wenn man das hinter dem paravent nicht sah, es gehörte dazu), dann wieder war ich ein soldat mit der pickelhaube von uropa und deiner uniformjacke. ihr habt jeden meiner „auftritte“ mit applaus und „bravo“-rufen belohnt, und ich war fest davon überzeugt, dass ich irgendwann wie oma auf einer großen bühne stehen würde.

du wolltest den wandschirm nicht mehr in deinem schlafzimmer haben, nachdem oma gestorben war, also habe ich ihn genommen. eigentlich hätte er auch bleiben können, denn du hast nie wieder im schlafzimmer geschlafen; nur noch auf der couch im wohnzimmer, fast ein jahr lang.
bis du dir schließlich sicher warst, dass es überall, wo sie nicht war, zu wehtun würde.

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5 responses to “ein experiment

  • Leser

    hallo du
    wirklich ein guter text, der sogar zum nachdeken anregt und auch fesselt. ich finde dein experiment gelungen. toll!

  • Holger

    Ein schönes Experiment, und ein schöner Text, nicht, weil er notwendigerweise wahr ist, aber weil er wahr sein könnte. Das unterscheidet gute von den nicht so guten Geschichten… Ich freue mich auf Deinen nächsten Beitrag.

    • semisuicidal

      ja, dieses experiment hat viel spaß gemacht, auch wenn ich anfangs ob der genannten worte verzweifeln wollte ;). ich werds sicher wiederholen.
      und danke für deine netten worte – die machen mich lächeln. freut mich, dass der text gefällt. wenn er „echt“ wirkt, liegt das sicher daran, dass auch „echtes“ drinsteckt. ich mische in meinen texten oft fiktion und autobiographisches – schön, wenn das dann zu solchen kommentaren führt.

  • ein experiment, teil 2 | life in borderland

    […] hat mir (wie so oft) twitter geholfen, genauer gesagt, meine großartigen follower. damals sah das so […]

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