frohe ostern – christos anesti

an tagen wie diesen fällt es besonders schwer, die eigenen dämonen im griff zu behalten. ständig darauf bedacht, es wie einen ganz normalen sonntag aussehen zu lassen, ständig darauf bedacht, sich selbst zu überlisten. und so oft ohne erfolg.

heute morgen in der sendung mit der maus ging es – ausgerechnet! – um einen griechischen osterbrauch. (der ein oder andere weiß vielleicht, dass ich einige jahre bei einer griechischen pflegefamilie gelebt habe.) und das löste eine echte erinnerungsflut aus.

in griechenland ist das osterfest das wichtigste überhaupt – es wird riesig gefeiert. das fing immer schon in der nacht von ostersamstag auf -sonntag mit einer messe an. ich mochte die kirche nicht. ich sprach kein griechisch, verstand somit kein wort. dazu kam, dass die kirche gerammelt voll war, man stand dicht gedrängt, und klein wie ich war, sah ich nur mauern aus rücken und köpfen. um die auferstehung christi zu feiern, hatte jeder einzelne eine dünne kerze, mit der man das osterfeuer weitergab, und ich hatte immer schreckliche angst, dass jemandes jacke oder haare anfangen würden zu brennen.

danach wurde draussen vor der kirche noch gefeiert, jeder beglückwünschte einander, es wurde sich umarmt und alles gute gewünscht – ich ließ mich von lauten fremden frauen drücken und sagte die auswendig gelernten griechischen worte auf.

am ostersonntag wurde dann weitergefeiert: verwandte und bekannte kamen zu besuch, es wurde lamm gebraten, getrunken, früher oder später stand der erste auf und fing an zu tanzen..

anders als die kirche war dieser tag für uns kinder (abgesehen von der sprachbarriere für mich) toll. es gab ostereier und leckeres essen, es war viel los, es waren andere kinder da zum spielen – aber das war es nicht. mein pflegevater war gut drauf. und selbst, wenn er das nicht gewesen wäre, er hätte bei einem so vollen haus nichts tun können. das war großartig.

.

so war ostern „früher“. später habe ich noch ein paar mal versucht, diese paar tage mit anderen, wirklich positiven erinnerungen zu verknüpfen, und so fühlt sich das zurückdenken an „damals“ weniger schlimm an als zu anfang, aber  so richtig funktioniert hat es nicht, wie man heute sieht.

ich schaffe es einfach nicht, mich nicht beschissen zu fühlen.

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2 responses to “frohe ostern – christos anesti

  • Holger

    Dein kurz zuvor veröffentlichtes Getwitter bringt es eigentlich ziemlich gut auf den Punkt, heißt es darin doch auch „don’t give in without a fight“. Dass es unglaublich anstrengend ist, kann ich nachvollziehen…

    Das Gedächtnis ist manchmal ein blödes Arschloch: eine olle, vierstellige PIN, die man dreimal die Woche braucht, vergisst man immer wieder, das Facebook-Passwort muss man trotz täglichen Logins JEDES Mal nachlesen, aber manche Dinge, groß oder klein, die man einfach vergessen WILL, gehen nicht weg, oder sie tun so als ob und verstecken sich nur…

    Und dann kämpft man, immer wieder, um sich zumindest von den ganz schlimmen Dämonen ein bisschen zu befreien, schaltet zur Ablenkung nichtsahnend den Fernseher an, und PENG ist alles wieder da, als wäre man live dabei…

    Scheißgefühl, ich kenne das, und die Hölle ist es, wenn die Auslöser im Alltag lauern, in kleinen Dingen, harmlosen Kindersendungen…

    Und doch: Don’t give in without a fight :-)

    • semisuicidal

      „das gedächtnis ist manchmal ein blödes arschloch“ – gut gesagt! ;)
      ja, es ist genauso, wie du schreibst – schön, sich so sehr verstanden zu wissen! (also, lieber wärs mir natürlich, du hättest maximal theoretisches wissen dazu und keine eigenen erfahrungen, aber.. – ach, du verstehst schon, was ich meine, oder?! ;))
      und ja, das schlimmste ist tatsächlich, „wenn die Auslöser im Alltag lauern“. wäre es wenigstens etwas aussergewöhnliches, etwas, das einem selten begegnet, wäre auch das (zeitweise) vergessen leichter. bleibt also höchstens das verdrängen. so schafft man zumindest (meist) den alltag, aber an tagen, wo einem das alles in geballter form um die ohren gehauen wird.. tja.

      ps: hab gesehen, dass du dich auch grade mit dem gedächtnis auseinander gesetzt hast – wenn auch in einem etwas anderen zusammenhang – dazu ist mir auch einiges eingefallen, also: bis später! :)

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