retrospektive – 4

so, da bin ich wieder. minimal motivierter als vor vier tagen – das muss genutzt werden.

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andré war irgendwann also tatsächlich.. verarbeitet. es tat nicht mehr weh, aber es hatte so wehgetan, dass ich – wieder mal – beschlossen hatte, auf unbestimmte zeit allein zu bleiben, mich erstmal nicht mehr solcher „gefahr“ auszusetzen.

und wieder hielt dieser vorsatz nicht allzu lange. im winter 99 lernte ich dann nämlich benny kennen, der die mauer ziemlich schnell einreissen konnte.

mit ihm war ich dreieinhalb jahre zusammen, er war, wenn man andré nicht zählt, was man vielleicht auch nicht sollte, meine erste ernsthafte beziehung. mit ihm habe ich viel erlebt, bin mit ihm gewachsen, wir hatten was besonderes. ich habe danach noch oft gedacht, wenn wir nicht so verdammt jung gewesen wären, hätte das vielleicht die beziehung werden können, so richtig mit alt werden und so.

aber auch das endete irgendwann (ich bin fast versucht zu sagen „natürlich“, aber das wäre wohl zu zynisch, oder?).

und ausgerechnet dieses (extrem dramatische, sich über wochen hinziehende) ende habe ich nicht schriftlich festgehalten. überhaupt habe ich in der zeit mit benny nicht viel geschrieben. das einzige waren – @holger: ich deutete es ja schon mal an ;) – ein paar songtexte, die ich relativ am anfang unserer beziehung geschrieben habe, und selbst die habe ich nicht mehr.

deshalb also kein text zu benny.

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und der nächste text, den ich für/wegen/über nen kerl geschrieben habe, fällt aus der liebeskummer-reihe etwas heraus. das heisst, er entstand, genauso wie die anderen, aus einem liebeskummer heraus, aber hier hatte ich zum ersten mal eine etwas andere position. aber der reihe nach:

die sache mit benny war eine weile her, ich hatte ein, zwei kürzere geschichten gehabt, die aber wohl eher ego-push als alles andere waren, und dann kam martin. ich lernte ihn über denise, eine ehemalige klassenkameradin, aber immer-noch-freundin, kennen, und war, wie so oft, sofort feuer und flamme. er war groß, blond, sah ein bisschen aus wie quentin tarantino – und hatte auch dessen humor, großartig. wir verstanden uns auch extrem gut, hatten spaß miteinander.. alles toll. nur – da war auch noch denise. denise war so ziemlich mein gegenteil: groß, superschlank, blond. und tja, das sagte ihm wohl doch mehr zu..

die beiden trafen sich immer öfter auch alleine, sie übernachtete bei ihm, all sowas. dabei hatte sie gar kein interesse an ihm. (kennt ihr diese frauen, die quasi jeden haben können, und sich auch quasi jeden warmhalten, durch ausgesuchte freundlichkeit, „freundschaftliches“ kuscheln, etc., dabei aber immer so tun, als hätten sie keine ahnung davon, wie sehr der jeweilige typ auf sie steht? ja? gut.) und ich, ich starb vor eifersucht und neid. und fühlte mich mal wieder in all meinen selbstzweifeln bestätigt, plötzlich hatte ich nicht mehr „eben mehr zu bieten“, sondern war wieder einfach nur fett, plötzlich waren es keine hübschen dunklen locken mehr, sondern einfach nur noch ein schwarzer wirrkopf – usw. usf.

trotzdem muss mein selbstbewusstsein damals stärker ausgeprägt gewesen sein als heute. irgendwann hatte ich nämlich plötzlich eine andere sicht auf die sache, die mir heute – leider – ziemlich fremd erscheint.

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anders (2004) [edit: 2003]

ich bin nicht wie sie
oder er
oder irgendwer

kann dir nur bieten
was ich habe: mich
und das ist nicht wenig
-vielleicht sogar zuviel für dich

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6 responses to “retrospektive – 4

  • Fee

    Ich weiß, was du meinst. Ich meine, nicht so richtig, aber… doch. In der Teenie-Version. Ich habe es nicht so gut verkraftet. Aber dein Gedicht gefällt mir, ich hätte es aus dieser Perspektive sehen müssen, dann würde mir nicht jedes Mal schlecht, wenn ich den grünen Kulli ansehe, der er ihr geschenkt hat und den sie mir mit den Worten: „Oh Gott, was soll ich denn mit sowas?!“ in mein Mäppchen stopfte. Nun ja. Vielleicht drucke ich es aus und klebe es an meinen Spiegel oder so, denn es ist die… richtige Perspektive.

    • semisuicidal

      oah, wie grausam.. also, deine geschichte. ja, sowas trifft. – bei mir gings ja auch nicht von jetzt auf gleich. wie gesagt, ich bin erstmal ganz schön ins schleudern gekommen. aber irgendwie – tja, ich zermartere mir auch jetzt noch den kopf, wie genau – hatte ich irgendwann diesen hellen moment, ab dem ich es dann anders sehen konnte. es hat auf jeden fall ne menge mit akzeptieren zu tun. ich BIN nunmal keine schlanke blondine, ich werde immer der – bestenfalls – „üppige“ wuschelkopf bleiben. und wenn ich mich dann mal umsehe, es gibt doch einige von meiner „sorte“, die hand in hand mit jemandem unterwegs sind.
      (ausserdem hat denise es mir leichter gemacht. ich dachte irgendwann, wenn er tatsächlich, ernsthaft, auf so etwas steht, dann muss ich ihn eh nicht unbedingt haben.)

      (mein gedicht an deinem spiegel? ich würde mich geehrt fühlen. ehrlich.)

  • joey

    das Gedicht ist super.

  • Keks

    Das Gedicht könnte mein Leitspruch werden. Ich glaube, man hat öfter so helle Momente, doch wenn man sie nicht aufschreibt oder anderweitig festhält, verblassen sie so schnell, dass man vergisst, dass sie mal da waren.

    • semisuicidal

      das stimmt absolut; denn wenn man wirklich umdenken will, muss man sich das „neue“ immer und immer wieder ins gedächtnis rufen – genauso wie die negativen gedanken sich vor allem durch ewige wiederholung festsetzen konnten. und dafür ist aufschreiben o.ä. zumindest anfangs das allerbeste.
      (an meinem badspiegel zb klebt so ein „mantra“ ;))

      dank dir für deinen kommentar!

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