retrospektive – 5

da es an der stimmungsfront noch immer nichts erfreuliches zu berichten gibt, verzichte ich ganz darauf und wende mich gleich dem nächsten teil meiner semipoetischen retrospektive zu.

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ich hatte mich also damit abgefunden, dass das mit martin wohl nichts werden würde. und dann passierte eine längere zeit erst einmal.. gar nichts. ich war schon richtiggehend gefrustet, weil ich nicht mehr allein sein wollte.

dann lernte ich irgendwann.. einen neuen martin kennen. eine meiner beiden besten freundinnen hatte einen neuen freund, einen zeitsoldaten, der für einen lehrgang in aachen stationiert war, und der brachte irgendwann einen kameraden zu einem treffen mit. martin war ein lieber kerl, zwar äusserlich gar nicht mein typ, aber trotzdem süß, und wir verstanden uns direkt gut. er fuhr mich nach hause, wir verabredeten uns wieder, trafen uns nochmal und nochmal.. und irgendwann waren wir zusammen. die erste zeit lief alles wunderbar. er war unheimlich lieb, zuvorkommend, wir hatten spaß.. aber wie das so ist, wenn die erste verknalltheit nachlässt, muss man sehen, was übrig bleibt, und das war in unserem falle – nicht sehr viel.

ich war mir  zwar sicher, ihn zu lieben, aber das schien irgendwie nicht zu reichen. er lebte in einer ganz anderen welt als ich. er kam aus einer heilen mittelstandsfamilie, während ich.. nunja. er liebte seinen sportwagen, fußball und nächte in der großraumdisco, während ich.. doch eigentlich ganz anders war. ich ertappte mich dabei, wie ich mich immer weiter von mir entfernte. weil er das so mochte, trug ich rock und stiefelchen statt jeans und docs, weil er bei „der menschliche makel“ im kino einschlief, schauten wir eben das nächste mal eine actionkomödie mit will smith.

irgendwann konnte ich das nicht mehr verleugnen. ich sprach mit ihm darüber, wie sehr mir bestimmte dinge fehlten, und dass ich nicht wüsste, wie wir, trotz aller liebe, mit so wenig gemeinsamkeiten ernsthaft zusammensein sollten. das ergebnis war, dass er, um mir etwas von dem, das ich angesprochen hatte, geben zu können, harry potter las – damit wir uns auch mal über bücher unterhalten konnten.

es fiel mir unendlich schwer, ihm zu sagen, dass das aber irgendwie trotzdem nicht das war, was ich gemeint hatte. aber ich konnte nicht weiter. ich wusste, die unterschiede zwischen uns waren zu groß. und irgendwann musste ich mir eingestehen, dass wohl auch meine gefühle für ihn nicht annähernd so stark waren, wie ich mir das noch eine ganze zeitlang eingeredet hatte.

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das schlägt sich auch in dem folgenden gedicht nieder, das ich kurz vor unserer endgültigen trennung geschrieben habe:

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Am Ende (2004) [überarbeitet 2005/06]

Wir scheinen am Ende angekommen,
der Boden unter uns aufgerissen,
und wir stellen fest, noch ganz benommen,
dass wir ab hier nicht mehr weiterwissen.

Die große Liebe, von der man gern spricht,
scheint heute zu kapitulieren.
Was schlimmer wäre, das wüsste ich nicht:
dich, oder uns zu verlieren.

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4 responses to “retrospektive – 5

  • Keks

    Eigentlich hätte die letzte Zeile „Mich, oder uns zu verlieren“ heißen müssen (darf man das eigentlich? In Gedichten herumwurschteln? Ich befürchte, ich breche hier gerade sämtliche Benimm- und Anstandsregeln … uhm …).

    So, und jetzt wieder der schlaue Keksspruch zum Thema :D. Ich glaube, dass die meisten Beziehung genau dieses Muster aufweisen. Man lernt sich kennen und versucht erst einmal, kleinere Differenzen auszugleichen. Und erst wenn diese Differenzen so groß werden, dass man sie nicht mehr überbrücken kann, geht eine Beziehung in die Brüche. Deshalb gefällt mir dieses „aufgerissen“ so gut. Das passt als Bild perfekt hinein.

    • semisuicidal

      stimmt, das hätte ebenso gepasst. mir ging es mehr darum, auszudrücken, dass ich schon nicht mehr weiß, ob ich angst davor habe, ihn zu verlieren, oder davor, diese beziehung zu verlieren (sprich: alleine zu sein), aber im kontext dieser ganzen geschichte passt dein vorschlag wirklich gut.
      (natürlich darf man das. also, zumindest bei mir. ich freu mich über gedanken, anregungen etc. von daher: danke! :))

      ich seh’s ähnlich wie du. zwar glaube ich, dass „echte liebe“ so einiges an unterschieden überbrücken kann, aber eben nur bis zu einem gewissen punkt. und – es kommt natürlich auf die art der differenzen.
      ach, selbst mit „muster“ ist es schrecklich kompliziert. ;)

  • Keks

    Ich habe irgendwie Deine Mail-Adresse hier nicht gefunden (ich bin manchmal etwas blind). Von daher frage ich hier mal vorsichtig an, ob ich schon so vertrauenswürdig bin, dass ich dein Passwort erhalte? (Wahrscheinlich habe ich mir das mit der Gedichtsache total versaut *seufz*)

    • semisuicidal

      oh – ja, äh, die steht hier tatsächlich nirgends, glaube ich – sowas! *rotwerd* dabei wärs so praktisch, sie anzugeben, wenn ich schon pw-geschützte einträge mache.. sorry also, hier ist sie: semi_suicidal@yahoo.de. (und jetzt geh ich sie direkt nachtragen..)

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