vom schreiben

ganze romane entstehen im kopf, während der busfahrt, auf dem weg durch die stadt, nachts im bett. später, vor dem rechner, scheitert es oft schon an einem einzigen tweet.

ich glaube, es ist schlicht eine sache der gewöhnung. schreiben, meine ich. einen anfang finden, für das, was in einem so laut nach ausdruck schreit. je länger ich nicht geschrieben habe, desto schwerer ist es, auch nur ein paar erste worte aufs papier zu bringen. nichts scheint zu passen; alles fühlt und hört sich komisch an. ein wenig wie beim fahrradfahren: da heisst es ja auch, „das verlernt man nicht“, aber das ist doch nur die halbe wahrheit. die hände wissen vielleicht noch, wie sie den lenker greifen, die füße, wie sie die pedale durchtreten sollen, aber von dem fürchterlichen herumgeeiere, wenn man das erste mal wieder im sattel sitzt – davon sagt einem keiner was.
und wie sollte ich denn dann bitteschön wissen, dass man dann nicht aus angst, dass man es nicht mehr kann, absteigen darf, dass man weiterfahren muss, bis es irgendwann wieder eine fließende bewegung wird?
(okay. der letzte absatz ist schwachsinn. natürlich wusste ich das, oder sagen wir: ich ahnte es zumindest. aber die alternative hätte „konsequenz“ geheissen, und das.. tja, wer meinen blog auch nur etwas länger verfolgt, weiß, dass das nicht meine stärke ist.)
es ist also eine sache der gewöhnung. der von mir so unbeschreiblich tief verehrte nick cave hat in einem interview mal erzählt, wie er das handhabt mit dem schreiben (für die, die nicht wissen, dass er neben großartiger musik auch großartige bücher zustande bringt: sein erstes buch „und die eselin sah den engel“ spielt in einem inzest- und schnapsverseuchten südstaatenkaff und erzählt die lebensgeschichte eines mörders, in seinem zweiten, „der tod des bunny munro“, geht es um einen dauer-notgeilen, versoffenen kosmetik-vertreter, der gezwungenermaßen seinen kleinen sohn mit auf seine „handlungsreisen“ nimmt – vielleicht bespreche ich die beiden bücher irgendwann mal ausführlicher, sie wären es wert). jedenfalls, nick cave mietet sich also fürs schreiben ein büro in der stadt, in das er jeden morgen fährt, um dann gegen fünf nachmittags wieder heimzufahren.
nun habe ich kein geld, um mir ein büro zu mieten – aber darum gehts ja auch nicht. mir gefällt die herangehensweise. lange zeit war schreiben für mich ausschließlich ein.. künstlerischer prozess, etwas, das man nicht erzwingen kann, etwas, das „aus einem selbst heraus“ kommen muss, beinahe eine kraft, die aus einem herausbricht, auf die man gar nicht unbedingt viel einfluss hat.. (ja, ich merke grade selbst, wie esoterisch das klingt..)
aber ich habe ja doch immer wieder, sei es damals in der schule, sei es durch meine twitter-experimente, gemerkt, dass man gar nicht immer auf die große inspiration warten muss – dass das tatsächlich sogar eher ziemlich blöd ist.

deshalb habe ich beschlossen, das einfach mal auszuprobieren. und weil ich dinge so gern in form von projekten mache, wird auch das hier eines. ich werde ab jetzt einen monat lang jeden tag schreiben, mindestens eine stunde lang. was, ist erstmal zweitrangig, ob gedichte, geschichten, ein buch, befindlichkeitsberichte, zwischenfazits (fazite?), wie dieses projekt so läuft – hauptsache schreiben. nicht alles davon wird es hier zu lesen geben – aber definitiv mehr als in den letzten monaten, höhö.
und in einem monat werde ich dann – hoffentlich – wissen, ob mein schreiben vielleicht wirklich nur.. ne emotionale geschichte ist, zum ausdruck und abbau von gefühlen dient, oder ob doch mehr dahinter ist – ob ich mehr kann als befindlichkeitsberichte und aus  gefühlsschwankungen gespeiste emo-lyrik.

(uuund: noch was neues wirds geben – der ein oder andere leser wird um meine serienleidenschaft wissen.  diesen monat starten jede menge neue us-serien, und dazu hat die fantastische patschbella ein serienblogprojekt gestartet – ich habe (bisher) zwei serien auf’m zettel, über die ich schreiben will. das erste mal, dass ich sowas mache – bin gespannt und freue mich!)

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7 responses to “vom schreiben

  • flugunfaehig

    Ach, ich habe deine Blogposts vermisst. Und ich weiß auch, warum. <3 Und das mit dem Projekt klingt sehr gut. Es geht mir irgendwie ähnlich… Nur dass es mir so früh nicht so ähnlich gehen sollte und es vielleicht deswegen auch nicht ähnlich ist. Whatever. Ich freue mich jeden Falls darauf, wieder mehr von dir zu lesen. :)

  • semisuicidal

    ach, du herz! und ich habe deine kommentare vermisst!
    wenn ich jetzt so darüber nachdenke – ich hatte solche phasen schon immer, also sicher auch „so früh“ wie du jetzt. und sie endeten immer wieder – hier hätten wir ja einen beweis für diese theorie.
    also, mach dir keine sorgen deswegen – und wenn du willst, versuchs auch mit dem projekt; vielleicht spornen wir uns gegenseitig an :).

  • Holger

    Schön, hier mal wieder was von Dir zu lesen – ich freue mich auf jeden Fall und bin gespannt auf das, was in den nächsten Wochen kommt.

    Zu dem Absatz ab

    lange zeit war schreiben für mich ausschließlich ein.. künstlerischer prozess, etwas, das man nicht erzwingen kann, etwas, das „aus einem selbst heraus“ kommen muss […]

    fiel mir spontan eine kleine Abwandlung und Verallgemeinerung eines Edison-Zitats ein: Kreativität ist zu x Prozent Inspiration und zu (100 – x) Prozent Transpiration. Woher dann die Inspiration tatsächlich kommt, ist eigentlich sekundär.

    Ich wünsche Dir jedenfalls – und freue mich auf – inspirierte und kreative Wochen!

  • Keks

    Oh, wie ich diesen Zustand kenne. Genau das hier: „je länger ich nicht geschrieben habe, desto schwerer ist es, auch nur ein paar erste worte aufs papier zu bringen.“ spricht mir aus der Seele. Mal schnell irgendwas hingekritzelt, wie der Tag war, das geht noch (vielleicht wie Fahrradfahren mit Stützrädern vielleicht), aber wirklich etwas mit Sinn scheint in unerreichbare Ferne gerückt.
    Von daher werde ich dein Projekt mit Aufmerksamkeit verfolgen und bin gespannt. Schön, dass du wieder da bist.

  • Neunnachneun « Ansichten aus dem Millionendorf

    […] “ganze romane entstehen im kopf, während der busfahrt, auf dem weg durch die stadt, nachts im bett. später, vor dem rechner, scheitert es oft schon an einem einzigen tweet.” life in borderland: vom schreiben […]

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