Archiv der Kategorie: aus dem grenzgebiet

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feuerprobe

wie man an den letzten posts sieht, war ich diese woche ziemlich schweigsam, selbst das geliebte twittern war eher ne ausnahme. nen grund gibt es, glaube ich, gar nicht, ich hatte einfach nicht das gefühl, irgendwas zu sagen zu haben. (seltsam, in der letzten zeit hatte ich mich doch irgendwie an das (regelmäßige) bloggen gewöhnt.) naja. heute ist das zumindest wieder anders.

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der lieblingsnachbar wird morgen 26 (ha! endlich ist er auch dran!), und feiert bei uns im hof/garten. – kurze erklärung: unsere wohnungen liegen gegenüber und sind die einzigen im erdgeschoss, und der garten gehört ausschließlich zu diesen beiden wohnungen. perfekt zum feiern.

er hat um die 20 leute eingeladen, will grillen, es gibt bier und cocktails.. klingt gar nicht mal schlecht, oder? wenn.. tja, wenn man nicht vor gefühlten ewigkeiten zum letzten mal unter sovielen leuten gewesen wäre. seit ich mir dieses kleine biest von sozialphobie gezüchtet habe, war ich nicht mehr auf partys oder ähnlichen größeren anlässen. okay, mittlerweile traue ich mich schon wieder (ab und zu) in cafes oder ins kino, kann einkaufen gehen (naja, wenn man von dem kleinen ausfall letztens absieht), aber partys – oh gott, partys! (die letzten worte bitte in hysterischem tonfall vorgetragen vorstellen.)

und morgen findet das ganze ja auch noch unter verschärften bedingungen statt: direkt vor meiner wohnungstür, vor meinem küchenfenster.

aber ich habe dem lieblingsnachbarn versprochen, dabei zu sein. und der liebste wird zu meiner mentalen unterstützung ebenfalls kommen, es gibt bier, und im schlimmsten falle kann ich mich in meiner wohnung verschanzen (hinter geschlossenen vorhängen, aber okay..). es ist die perfekte gelegenheit zum üben. im prinzip kann ja sowieso nichts passieren, aber falls doch hab ich immer noch ein notfall-medi und mein bett in der nähe. es sollte also wirklich zu schaffen sein. – sagt der verstand. die kleine panik dagegen rennt schon den ganzen tag in mir hin und her, heult und schreit, springt auf und ab.. großartig, wirklich. weder von atemübungen, noch von igelball oder theraband lässt sie sich beeindrucken, und ich muss ebenfalls aufpassen, dass ich nicht wieder aufhöre, diese (wirklich, guten) übungen ernstzunehmen. ach, manchmal ist es echt alles ein krampf.

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naja. es wird halt ne kleine feuerprobe für mich. wenn ich das überstehe, weiß ich, dass ich (zumindest in dem bereich) auf nem guten weg bin. ich werde stolz auf mich sein, und es wird ein ding mehr geben, von dem ich weiß, dass ich es wieder kann.

und über alles andere denke ich einfach nicht nach.


zu kleine schuhe oder die angst

.. irgendwie sprudelt es heute. (merken, semi: nur mal zu nem anfang überwinden, dann läufts von allein.)

aber, nun ja, ich stelle halt fest, dass das schreiben enorm beim klar-sehen hilft, warum also nicht raus mit allem, was grad so in mir nagt?

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ich war also kürzlich schuhe kaufen. in einem laden, den ich sonst nie betrete – ich weiß nicht, kennt ihr diese, meist ziemlich billigen, „tussi-läden“? in denen den ganzen tag auf monster-lautstärke viva läuft? in denen jede, incl. verkäuferinnen, leggins mit überlangem pulli, taillengürtel, riesencreolen und ca 1 pfund makeup trägt? diese läden, die alles darstellen, was semi nicht ist? ja? so ein laden war das.

ich also dort, in begleitung des liebsten (ohne ihn wär ich wahrscheinlich gar nicht erst reingegangen). schon auf der schwelle: oh scheisse, all eyes on me. durch all die blicke nach oben auf die schuh-etage, ein spießrutenlauf auf der treppe. umsehen ist schwierig, man könnte einem der blicke begegnen. also nah ran an die schuhe, schön eingeschränktes sichtfeld, wenn du sie nicht siehst, sehen sie dich auch nicht. größe suchen, und dann – anprobieren. bücken, chucks aufschnüren, ausziehen, anderen schuh an. auf und ab gehen? hm, nee, besser nicht – erregt noch mehr aufmerksamkeit. passt aber eh nicht. andere größe suchen, dann ganz anderen schuh [..] – und beim dritten das gefühl haben, jetzt schaut wirklich jeder. jedes flüstern, jedes lachen – gilt dir. nimm einfach den blöden schuh, geh nach unten, bezahl ihn – dabei den blick nicht heben! – und raus, schnell. all die 16jährigen partygirls lachen sicher grade im chor.

und zuhause dann feststellen, dass der schuh viel zu klein ist.


bergauf, bergab, aber – selbstständig

der erste eintrag nach längerer zeit ist immer irgendwie schwierig. nach den ersten paar zeilen geht es, aber der einstieg..

– wie auch immer, ich bin wieder da.

es ist nicht so, dass ich nicht hätte schreiben wollen – ich konnte nur nicht. das liegt daran, dass ich mein medikament abgesetzt habe. und hey, vielleicht machen antidepressiva nicht süchtig, abhängig machen sie aber alle mal, das durfte ich feststellen. ich habe, wies immer empfohlen wird, versucht, es langsam auszuschleichen, um die absetzerscheinungen zu umgehen, aber pustekuchen.

die letzten wochen waren echt nicht schön. nicht so schlimm, als dass ich im bett hätte liegen müssen, oder sowas, aber schlimm genug. heute habe ich den ersten längeren text seit ewigkeiten geschrieben, bis dahin war maximal twittern drin. gedanken waren genügend da, aber sie zu fassen – unmöglich. auch jetzt fällt es mir noch schwer, mich zu konzentrieren. trotzdem ist dies aber der erste tag, an dem ich sowas wie eine besserung spüre.

das unerträglichste ist/war dieser ständige.. ja, wie nennt man das? eine art schwindel, vielleicht. das gefühl, der inhalt des kopfes sei eine zäh-flüssige masse geworden, und schwappte nun bei jeder bewegung träge hin und her, manchmal begleitet von einem ganz dumpfen hämmern.. nicht schön, wie ich schon sagte.

dazu eine zwischendurch immer wieder aufflackernde, unglaubliche aggressivität. ich, die sonst alles dafür gäbe, unsichtbar zu sein, lauthals tobend mitten auf der straße. ich, den liebsten anschreiend, mir gleichzeitig von innen zurufend: „halt endlich die klappe!“ [..]

oder, ab und an, das heulende elend. – oder nein, eher nur „elend“. kein heulen, nur daliegen und verzweifeln.

und das mehrmals im wechsel, den ganzen tag.

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ich hoffe wirklich, es so langsam überstanden zu haben.

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und ich hoffe, in der nächsten zeit festzustellen, dass ich wieder ohne medikamente leben kann, dass ich mich selbst aufrecht halten kann. wie die ersten 24 jahre: bergauf, bergab, aber – selbstständig. ohne chemische stützen.

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edit 25.02.2010:

.ja, okay – man soll den tag nicht vor dem abend loben. am morgen nach diesem eintrag wurde ich wach, weil ich kotzen musste – seitdem begleitet mich übelkeit. dabei hatte ich mich schon gefreut, dass mir das offenbar erspart bleibt. naja, vomex sei dank gehts mir trotzdem gut, vor allem, da der schwindel tatsächlich fast verschwunden ist.


"guten" morgen auch

frischer kaffee und ein guter schuss panik, dazu etwas selbsthass – kann ein tag besser anfangen?

ich habe eben einen halben herzinfarkt bekommen, als ich in meinem nachthemdchen in die küche stolperte, den vorhang am fenster aufzog, und einem bauarbeiter direkt in die augen sah, der draussen im hof vor meinem fenster stand. dann hab ich seine – gefühlten – 20 kollegen gesehen und alles war aus.
wer sind die, was machen die, wie lange bleiben die.. etc.
dem hätte man abhelfen können, indem man einfach mal rausgegangen wäre, fröhlich „guten morgen“ gesagt und einfach mal nachgefragt hätte, wie das jeder normale mensch tun würde.
nicht aber semi.
semi zieht sich ins schlafzimmer zurück und passt auf, dass sie sich nur in bestimmten zimmerecken aufhält, damit sie nicht etwa einer von draussen durchs fenster sehen kann, semi beginnt bereits zu überlegen, welcher laden in der nähe auch spätabends noch aufhat, damit sie die wohnung verlassen und einkaufen gehen kann, ohne „denen da draussen“ begegnen zu müssen. semi entwickelt panik und textet ihre freunde zu, sie sei in ihrer wohnung gefangen.

das schlimme ist, irgendwo im hinterkopf immer noch genau zu wissen, wie irrational, wie unbegründet, wie überflüssig diese dämliche angst ist. gespräche mit sich selber zu führen, in denen man sich all das sagt, und trotzdem dieses herzrasen, dieses engegefühl, diese panik zu spüren.
sich zu schämen, weil man so blöd gewesen ist, sich zu hassen, weil man so ist, weil mans einfach nicht in den griff bekommt.


ganz schön aufgeregt..

.. bin ich heute.
endlich bietet das alex in aachen (die klinik, in der ich zuerst war) auch DBT an. und heute findet zum ersten mal die ambulante skillsgruppe statt.
auf der einen seite freue ich mich extrem darüber. wie ich in einem früheren post schon mal andeutete, fällt es mir superschwer, so ganz allein auf mich gestellt, die skills und das, was ich sonst in der therapie gelernt habe, beizubehalten. deswegen setze ich große hoffnungen in diese gruppe. sie wird ein jahr lang einmal pro woche stattfinden, und ich hoffe, dass mir das hilft, die skills wieder einzuüben und beizubehalten.
auf der anderen seite bin ich total aufgeregt. semi, die kleine sozialphobikerin, in ner ganzen gruppe neuer leute.. waaaah! ;)
dazu kommt, dass evtl eine ehemalige mitpatientin von mir dabeisein wird, mit der ich damals in der klinik heftigst aneinandergeraten bin; und ich stelle es mir eben schwierig vor, mich in der gruppe wohlzufühlen, geschweige denn, zu öffnen, wenn mir diese person gegenübersitzt.

*bibber*

allerdings wird auch eine liebe freundin von mir dabeisein, das macht es mir (hoffentlich) etwas leichter. ausserdem ist das, wie meine therapeutin sagen würde, ein „gutes übungsfeld“. (hmpf.)


leben im grenzgebiet

der name dieses blogs ist „life in borderland“ – zum einen, weil ich im grenzland (d/nl/b) lebe, zum anderen, weil ich mich auch sozusagen „innerlich“ in einem grenzgebiet befinde. ich habe borderline.
(für die, die nicht wissen, was das ist: wikipedia erklärt es ganz gut.)

ich habe die diagnose noch nicht allzulang, genauer gesagt, seit frühjahr letzten jahres.
anfang letzten jahres bekam ich eine schwere depression und landete in einer klinik. zu diesem zeitpunkt war ich noch in einer schulischen ausbildung, kurz vor den abschlussprüfungen, und umso schlimmer war es, als mir klarwurde, dass ich die ausbildung würde unterbrechen müssen, weil sich die krankheit länger hinzog als gedacht. in der klinik bekam ich nämlich nach einigen wochen ausser der diagnose „depression“ auch noch die diagnose „borderline“. meine ärzte rieten mir, eine spezielle therapie zu machen, die dialektisch-behaviorale therapie, kurz: DBT, und halfen mir, sehr schnell einen therapieplatz in einer klinik in münster zu bekommen. so konnte ich direkt im anschluss an die entlassung hier in die nächste klinik. insgesamt wurde ich 5 monate stationär behandelt.
die DBT hat mir sehr geholfen, ich habe wahnsinnig viel gelernt.
die erste zeit nach der entlassung ging es mir auch dementsprechend ziemlich gut. ich hatte jede menge skills kennengelernt, die mir bei anspannung halfen, und die ich statt selbstverletzendem verhalten einsetzen konnte.
allerdings hielt diese gute phase nicht lange an. ich habe es nicht geschafft, das, was ich gelernt hatte, beizubehalten. grade dinge wie skills brauchen kontinuierliches training, und das hatte ich so allein zuhause nicht. zwar hatte ich meine ambulante therapeutin, die sich auch mit BL auskennt, allerdings konnten wir ja nicht jede stunde darauf verwenden, meine skills zu üben.
dazu kam leider noch, dass ich eine sozialphobie entwickelte. das fing an mit einer riesigen angst, wieder in die schule zu gehen, wo alle wussten, dass ich gerade „aus der klapse kam“, und steigerte sich immer mehr, bis ich schließlich teilweise das haus gar nicht mehr verlassen konnte.

mittlerweile habe ich die sozialphobie etwas in den griff bekommen, sie ist zwar noch da, beherrscht mich aber nicht mehr so sehr wie in den schlimmsten zeiten. ähnlich ist es mit der depression: auch mit ihr habe ich manchmal zu kämpfen, allerdings bin ich heute – und dafür bin unendlich dankbar – meilenweit entfernt von dem zustand, in dem ich noch vor anderthalb jahren befand.
das, was mich wohl am meisten beeinträchtigt, ist und bleibt BL. es hat mich schon mein ganzes leben begleitet (das weiß ich heute), und ich habe mich shcon darauf eingestellt, es niemals ganz loszuwerden. aber daran arbeiten kann ich, sodass es irgendwann mal erträglicher wird – und das tue ich.